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eBook-Rezension zu „Troublemaker – Wie ich Hollywood und Scientology überlebte“ von Leah Remini

Troublemaker von Leah Remini - Cover mit freundlicher Genehmigung vom mvg Verlag

Troublemaker von Leah Remini – Cover mit freundlicher Genehmigung vom mvg Verlag

»Troublemaker Leah Remini – vom Insider zum Outsider: über eine Entscheidung, die das eigene Leben und die ihrer Mitmenschen komplett verändert«

Zum Inhalt:

Leah Remini schaffte hierzulande durch ihre Rolle als „Carrie Heffernan“ an der Seite von Schauspielkollege Kevin James mit der Sitcom King of Queens ihren Durchbruch. In den USA war sie schon Jahre zuvor in vielen Sitcoms und Serien zu sehen – wenn auch nicht ganz so erfolgreich, wie mit King of Queens.

Beginnend mit ihrer Kindheit, der Trennung ihrer Eltern und dem Aufwachsen der Geschwister in Brooklyn in recht einfachen Verhältnissen, nähert sich das Buch den Hauptthemen: dem Erstkontakt zu Scientology, das Leben mit Scientology, das stete Auf und Ab des Schauspieler-Daseins in Hollywood, Promis bei Scientology, Lebenskrisen und Lebensziele, Familienplanung, das Erwachen und Hinterfragen, das Abstempeln seitens der Kirche als „Troublemaker“ und letztendlich die Verurteilung und Verbannung als so genannte „unterdrückerische Person“ – eine Abtrünnige – sowie das Leben danach.

Viele Kinder werden in eine Scientologen-Familie hinein geboren und aufgezogen. Sie erleben im Grunde genommen nur das, was ihnen die Kirche vorschreibt, zeigt und erlaubt. Der Informationsfluss von außen ist gefiltert, wenn nicht gar abgeschirmt. Und so erscheint es fast eine logische Konsequenz, dass nur wenige Scientologen sich aufbegehren, Fragen stellen oder gar der Kirche den Rücken kehren. Denn dieser Vorgang wird durch sehr viele Mechanismen seitens der Kirche sehr erschwert oder gar schier unmöglich gemacht. Deshalb kann man vielleicht während des Lesens diesen schwierigen Prozess erst zum Ende des Buches nachvollziehen, weshalb Leah Remini 30 Jahre lang mit Herz und Seele Scientologin war. Auch sie kam mit Scientology als Kind erstmalig in Berührung und in kürzester Zeit war die ganze Familie (außer ihr leiblicher Vater) ein Teil des Ganzen. Sehnsüchte wurden gestillt, Hoffnung, Zugehörigkeit und ein höherer Sinn gegeben.

„Scientology ist verführerisch“, schreibt die Autorin in ihrem Vorwort. Die Leitlinien von Scientology und ihrem Gründer L. Ron Hubbard versprachen ihr und vielen anderen einen Weg, wie man sein persönliches Potenzial ausnutzen und zu einem besseren Mensch werden kann. Wie man Erleuchtung findet und in Freiheit leben und den Planeten retten kann. Eins wird in dem Buch jedoch auch ganz deutlich klar: die Abhängigkeiten zu Kirche, der Gemeinschaft usw. beginnt schon am Tag eins beim Eintritt bei Scientology. Man kann nur weiterkommen, indem man sich, seine Zeit und sein Geld in die Vereinigung steckt.

Doch selbst damals in den 80ern hat die Familie nicht blindlings alles mit sich geschehen lassen: um der jüngsten Schwester ein besseres Umfeld zu gewährleisten sind sie von Sea Org zu der Scientology Gruppe nach Los Angeles gezogen. Erst dort begann der steinige Weg der Schauspieler-Karriere von Leah und mit dem langsam stetigen Erfolg kam auch der ein Aufstieg bei Scientology. Letzteres wird tatsächlich sehr ausführlich in der Autobiografie erzählt, denn das Leben in der Glaubensgemeinschaft war und ist ein großer Teil von Leah Remini. Sie sagt zum jetzigen Zeitpunkt, dass nicht alles schlecht bei Scientology war und vieles ihr sehr geholfen hat. Es mussten erst viele Jahre ins Land ziehen und sehr viele Dinge geschehen, bis sie erkannte, dass irgendetwas mit „ihrer Kirche“ nicht stimmt und deshalb begann sie Dinge zu hinterfragen, die ein Scientologe niemals infrage stellt…

Zitat aus „Troublemaker“:
„In einer Zeit der universellen Täuschung
ist es ein revolutionärer Akt, die Wahrheit zu sagen.“

Mein Fazit:

„Troublemaker“ hat mich gleichermaßen berührt und schockiert. Leah Remini hat mich als Mensch sehr ergriffen und ich sehe es anders als der eine oder andere Kritiker: Dieses Buch sollte nicht die Grundlage für eine groß angelegte Publicity-Kampagne sein, um ihre Karriere wieder in Schwung zu bringen sondern es ist vielmehr eine therapeutische Maßnahme, um vergangenes aufzuarbeiten, Geschehnisse laut auszusprechen, nicht verrückt zu werden und die Öffentlichkeit wach zu rütteln.

Leah Remini kommt für mich absolut authentisch rüber. Sie hat das Herz am richtigen Fleck und ein recht lockeres Mundwerk (im positiven Sinne gemeint). Anscheinend hat sie schon immer gesagt, was ihr gerade so durch den Kopf ging – ohne die Konsequenzen zu bedenken. Damit hat Leah sich nicht nur Freunde gemacht und im Schauspielgeschäft bestimmt die eine oder andere großartige Rolle sich dadurch „verpatzt“. Aber viel wichtiger ist, dass ich glaube, dass sie stets gute Absichten als Scientologin hatte und diesem System voll und ganz vertraute.

Kein Mensch außerhalb von Scientology kann sich glaube ich tatsächlich vorstellen oder sich wirklich hinein versetzen, wie es ist die meiste Zeit seines Lebens kontrolliert und in gewisser Weise manipuliert zu werden. Und das mit einer sehr effizienten Methodik. Freies Denken ist anscheinend kein oberstes Ziel dieser Glaubensgemeinschaft und man muss es sich erst selbst wieder beibringen – Dinge zu hinterfragen und lernen, richtig von falsch zu unterscheiden.

Diesen Prozess hat Leah der Leserschaft meiner Meinung nach sehr persönlich anhand von Ereignissen deutlich gemacht, u.a.:

  • Sei es ihre Erkenntnis, welch hohe Opfer die Mitglieder auf sich nehmen, damit die Kirche groß und finanziell unabhängig bleibt. Dieser finanzielle Aspekt hat nicht nur Leah’s eigenes Bankkonto innerhalb der 30 Jahre geschröpft sondern ihrer Ansicht nach etwas weitaus schlimmeres verursacht: so viele Menschen haben sich bis ins unermessliche für ihre Kirche verschuldet und sind somit in eine fast ausweglose Abhängigkeit geraten.
  • Oder sei es die Erkenntnis, dass die Leitlinien des Gründers Hubbard wahrscheinlich nicht für jeden gelten und somit nicht jeder Scientologe gleiche Rechte und Pflichten hat. Ein persönliches Beispiel sieht sie bei Tom Cruise, der ein solch hohes Ansehen in der Kirche hat und dadurch sich so vieles erlauben darf, wie sonst keiner.
  • Die Erkenntnis, dass Scientology Leah Remini weder konkrete Fragen zu der Verwendung von Spenden oder dem Verbleib von ihrer Freundin Shelly Miscavige – der Ehefrau von dem Scientology-Anführer – nennen konnte.
  • Und letztendlich das bewusst werden, welche Konsequenzen ihre Nachfragen für Sie persönlich und ihr Umfeld hat.

Wer einen persönlichen Rachefeldzug gegen die Prominenz von Scientology erwartet, der wird enttäuscht werden. Sicherlich hat Leah Remini hier und da ein paar Fakten von Stars und Sternchen in das Buch mit eingeflochten, die sich auf Scientology bezogen (wie zum Beispiel von John Travolta, Nicole Kidman, Kirstie Alley, Tom Cruise & Katie Holmes) – die erwartete Schlammschlacht blieb jedoch aus.

Natürlich schreibt die Autorin alles aus ihrer subjektiven Sicht nieder und somit erfährt man schon, dass sie sich an mancher Stelle nicht wirklich gewürdigt oder anerkannt sah. Es ist durchaus menschlich, mal auf etwas oder jemand neidisch zu sein, schnippig auf etwas zu reagieren oder sich mal wie eine kleine Prinzessin bzw. Diva aufzuführen. Aber mal wirklich, wir sprechen von einer Frau die in Hollywood aufgewachsen ist, dort lebt und arbeitet. Und somit befinden sich diese Eigenschaften glaube ich in bester Gesellschaft und sind in diesem Geschäft nichts ungewöhnliches. Ich finde ihre „Star-Allüren“ halten sich in Grenzen und Leah beschreibt sich selbst zum Anfang ihres Buches als kein so einfacher Mensch mit ziemlich vielen Ecken und Kanten – doch genau das macht ihre Persönlichkeit meiner Meinung aus.

Neben den autobiografischen Aspekten gibt Leah Remini einen waghalsigen Einblick hinter die Kulissen von Scientology, der mich wirklich geschockt hat…

  • Angefangen über die Zustände in den achtziger Jahren, wo Babys und Kleinkinder in einem heruntergekommenen Motel-Zimmer in ihren dreckigen Windeln verweilen müssen und von einem Kind oder Teenager „beaufsichtigt“ wurden, während die Eltern als fleißige Kirchenanhänger ihrer Arbeit nachgingen.
  • Die Tatsache, dass Leah, ihre Geschwister und alle anderen Scientology-Kinder keine Schulpflicht nachkommen mussten (das wäre nicht die wahre Bildung) sondern „freiwillig“ Kinderarbeit leisteten – denn schließlich mussten auch sie ihre Scientology-Lektüren uns -Trainings bezahlen.
  • Das selbst den Familien kaum Geld für den Unterhalt und für etwas zu essen übrig bleibt, die Kirche aber immer mehr Geld nimmt.
  • Dass die Menschen in einer Glaubensgemeinschaft aufwachsen, die keine persönlichen Grenzen kennt, in der alles vorgeschrieben ist und man „bespitzelt“ und „angeprangert“ (sog. Wissensberichte) wird sobald man gegen die Regeln verstößt – denn dann wird einem der Weg zur Erleuchtung erschwert und man muss sich vielen mentalen Trainingseinheiten unterziehen, um wieder rehabilitiert zu werden.
  • Dass Menschen verschwinden können und selbst die Behörden und die Polizei anscheinend keinen wirklichen Einfluss im Scientology-Umkreis mehr haben.
  • uvm.

 „Troublemaker“ – So persönlich, authentisch und mutig. Lesenswert!

~Ilb

eBook-Informationen

Autorin: Leah Remini
Verlag: mvg Verlag
Umfang:  280 Seiten
Erschienen: September 2016
ISBN: 978-3-86882-693-7

Print Friendly, PDF & Email

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