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[Gastrezension] Frühaussteiger von Erik D. Schulz

Frühaussteiger von Erik D. Schulz - Cover mit freundlicher Genehmigung Delfy International Publishing

Frühaussteiger von Erik D. Schulz – Cover mit freundlicher Genehmigung Delfy International Publishing

»Immer wieder diese widerlichen Anschuldigungen!«

Zum Inhalt:

Der 15-jährige Sebastian ist wahrlich nicht zu beneiden. Völlig unerwartet verstirbt dessen Vater – praktizierender Arzt – während der Arbeit – aufgrund eines Herzinfarktes. Dies hat Folgen. Zu Michael Fritzsche, dem neuen Stiefvater hatte Basti wahrlich keinen guten Draht. Dies hat einen wesentlichen Einfluss auf dessen Gefühlslage, was besonders zum Vorschein tritt, als Sebastian auf die Friedrich-Dieffenbach-Oberschule in den Berliner Stadtbezirk Pankow wechselt. Bereits kurz vor dem ersten Schultag wird ihm schwindelig vor Angst. In seiner alten Heimat Köpenick war Sebastian bekannt wie ein bunter Hund und hatte zahlreiche Freunde. Dort lernt er Sandra kennen, dessen Bekanntschaft aber nur von kurzer Dauer währt.

In der Dieffenbach Oberschule beschleicht den Teenager von Beginn an ein mulmiges Gefühl, zumal von einer Gemeinschaft wirklich keine Rede sein kann. Anfangs prallt die meiste Gewalt an Pascal ab, der schon längere Zeit als Außenseiter an Brutalität und grausamkeit kaum noch zu überbietende Gewalttaten über sich ergehen lassen musste. Um nicht als totaler Außenseiter nicht auch noch in Pascals Rolle schlüpfen zu müssen, beteiligt sich Sebastian sogar an einigen dieser gemeinen „Spielchen“. In diesen Tagen gelang es ihm Susanne für sich zu gewinnen, die seine Andersartigkeit zu schätzen scheint, während die Feindschaft zu Marc – der als einer der gefürchtetsten Rabauken in der Klasse galt, immer besorgniserregendere Formen annimmt. Jedoch dem Mädchen zuliebe nimmt er sogar die Einladung zu der Party an. Völlig überraschend respektiert Marc, als Teufel Alkohol noch keine Wirkung zeigt, dessen überraschendes Erscheinen. Als aber die meisten Partygänger von Hochprozentigem und Drogen reichlich zugedröhnt sind, knutschen sich Marc und Susanne so richtig heiß und leben ihre Begierden auf der Toilette aus. Als Sebastian Wind bekommt, gerät das Szenario völlig außer Kontrolle, zumal Sebastian Spermaspuren vorfindet. Wieder haben sich Sebastians Hoffnungen, die die wahre große Liebe ersehnten, im Sande verlaufen. In den folgenden Tagen spitzt sich das Klima in der Klasse gefährlich zu. Frau Schiezelmann – Bastis Mathelehrerin beorderte den Neuntklässler immer öfter an die Tafel, wo er Aufgaben lösen soll, die ein Stolpern geradezu heraufbeschwören. Und so geschieht es auch…

Doch noch steht Pascal im Brennpunkt des Geschehens. Als dieser auf dem Nachhauseweg brutal von Marc wird, stellt er sich dem Angreifer in den Weg, und setzt diesen sogar außer Gefecht. Pascal bleibt der Schule fern und fortan richtet sich der Fokus auf Basti. Marc rächt sich an Sebastian und prügelt den Jungen krankenhausreif. Jedoch sowohl der Schulleiter als auch die ungeliebte Mathelehrerin Frau Schiezelmann sorgen dafür, dass Marc weiter seiner tragenden Rolle als „lieblicher Unschuldsengel, der keiner Fliege ‚was zuleide tut“, in gewohnt bühnenreifer Manier gerecht werden darf. Sebastian schwänzt mehrfach die Schule, treibt sich auf dem Alexanderplatz herum, und konsumiert sogar Drogen…

Zur Geburtstagsfeier seines Stiefvaters, bei der überraschend Anika hereinplatzt, nimmt Sebastian all seinen Mut zusammen zusammen, und gesellt sich nach längerem Zögern, das ausgerechnet dessen ungeliebte Stiefschwester Sophie mit einem Anstupser beendet, zu ihr. Bereits zuvor auf dem Schulhof hat Sebastians Lächeln signalisiert, dass er sein Herz an Anika verloren hat. Der achtzigste Geburtstag ihres Opas hat Anika zufällig an denselben Ort gezogen. In der Folge verbringen die beiden viel Freizeit miteinander, kommen sich Stück für Stück näher und starten gemeinsam jene aufregende Erkundungsreise in bisher noch unbekanntes, erotisches Neuland…

Jedoch die Möglichkeit, sich in Obhut eines Seelendoktors zu begeben, entzweit Stiefvater und Mutter zusehens.

Jedoch Sebastian möchte einen stationären Aufenthalt in der Psychiatrie unter allen Umständen vermeiden, sodass Basti dem Psychiater, dessen ständiges Löchern mit Fragen, die ihm peinlich erscheinen, ihm längst zuwider geworden ist, mit zornigem Blick begegnet. Plötzlich gerät das Handeln des Jungen völlig außer Kontrolle. Kurz nachdem er ihm gegenüber tätlich geworden ist, flüchtet er panikartig. Anika gewährt ihm im Wochenendhaus seiner Eltern „Asyl“, wo es den beiden gelingt, sich von den Fesseln des Alltags zu lösen. Unbeschreiblich schöne Momente scheinen all die Qualen auszublenden, während zu Hause das Unheil seinen Lauf nimmt. Zuvor hat Sebastian eine Mail geschrieben und angekündigt, sich als blinder Passagier auf einen Frachter zu begeben, um auf dem asiatischen Kontinent einen „Neuanfang“ zu wagen….

Mein Fazit:

Ein flüssig geschriebener, sehr spannend erzählter Roman, dessen Dramaturgie dem Leser kaum mal eine Atempause gönnt.

Gewalt an deutschen Schulen ist ein weit verbreitetes Phänomen, was nicht neu ist. Und die Hauptstadt nimmt diesbezüglich einen unrühmlichen Spitzenplatz ein. In jenen Bezirken der Hauptstadt, die ohnehin als Problembezirke gelten, bestimmen derartige Gewaltexzesse das Alltagsgeschehen. Das allerdings diese erschreckenden Formen der Gewalt selbst vor jenen Bildungseinrichtungen, die als Elitegymnasien gelten, hat mich schon stark verwundert. Dieser Roman liefert uns den nachhaltigen Beweis, dass nicht nur die immer weiter auseinander klaffende Schere zwischen Arm und Reich das Leben bestimmt, sondern, dass auch innerhalb von gutbürgerlichen Kreisen sich Risse gebildet haben, die ebenfalls erheblich an den Fundamenten unserer Gesellschaft rütteln. Eine Entwicklung, dessen weiteren Verlauf ich mit größter Sorge betrachte, zumal diese Menschenleben in nicht allzu ferner Zukunft die Geschicke unseres Landes lenken sollen. Zwar steht diesen jungen Menschen die Möglichkeit offen, kostenintensiven Nachhilfeunterricht zu nutzen und sich in die Obhut von Top-Ärzten und Therapeuten zu begeben, jedoch auch diese sind nicht in jedem Fall imstande, mögliche Folgeschäden zu vermeiden. Bemerkenswert finde ich auch, wie klar Herr D.Schulz uns jenen Umstände vor die Gesichter halten, die beweisen, was nicht selten jenen jungen Menschen blüht, die bereits gegen die Auswüchse jener schwer zu bereinigender Stempeltusche ankämpfen müssen. Aus purer Angst, eines Tages selbst dieser unfassbaren Gewalt geopfert zu werden, verdrehen zahllose Pädagogen Tatsachen – und schauen einfach weg. Besonders wütend gestimmt hat mich die Szene, als Sebastian bei der Aussprache mit dem Schulleiter das Schicksal des gepeinigten Pascal ins Gespräch geworfen hat. Dieser wurde halt maßlos gemobbt und zusammengeprügelt , weil er „krank“ gewesen sei – so das Statement des „Erziehers“!

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass auch überwältigende Glücksmomente, die tief unter die Haut gehen, der couragierte Autor in die Dramaturgie der Handlung exzellent eingepasst hat. Als Herr D. Schulz dieses unbeschreibliche Haut-an Haut – Gefühl aus jenen aufregenden Momenten für uns einfängt, in denen Anika und Sebastian ihr erstes Mal erleben, gönne ich den beiden von ganzem Herzen dieses unbeschreiblich prickelnde Gefühl gelebter Zweisamkeit. Dass es sich um Seelenverwandte handelt, die sich seit Langem gesucht, und glücklicherweise auch gefunden haben, bekommt der Leser hautnah zu spüren ! Jedoch auch die Tatsache, dass Sebastians gespanntes Verhältnis zu seiner Stiefschwester Sophie sich normalisierte, dass die beiden sich sogar in die Arme schließen, rührt Freudentränen. Die Beziehung zwischen Bastis Mutter, und seinem Stiefvater, die ohnehin auf Sand gebaut schien, kommt ins Reine, als die beiden das Ausmaß der sich seit Langem abzuzeichnenden Katastrophe so richtig wachgerüttelt hat. Sebastians Mutter hatte stets darauf bestanden, dass er auf dieser Horrorschule bleibt und das Abitur erfolgreich beendet, was Stiefvater Michael absolut nicht behagte. Mit dem ins Auge gefassten Wechsel auf ein anderes Gymnasium, glätten sich endlich die Wogen.

Alles in allem ein rundum gelungener Roman, der für mich nachhaltig bewiesen hat,

dass es der Entwicklung eines jungen Menschen absolut nicht dienlich ist, an Forderungen festzuhalten, die nicht den Möglichkeiten entsprechen. Und auch den Spiegel, der die Problematik von Kindern, die Patchworkfamilien entstammen belichtet, hat Herr D. Schulz dem Leser schonungslos ans Gesicht gehalten, wie auch den Umstand, das Schicksalsschläge – wie der plötzliche Tod des Vaters – Heran wachsende aus den Bahnen lenken kann, zumal die der Pubertät geschuldeten Umbrüche ohnehin Zeiten sind, die Eltern, Lehrer und natürlich die Heranwachsenden selbst, förmlich verzweifeln lassen.

Ich danke Herrn D. Schulz für diesen authentischen, hoch dramatischen Roman, den ich nicht nur den Eltern pubertierenden Jugendlicher wärmstens ans Herz legen möchte!

Meine Bewertung – 5 von 5 Sterne

Bewertung: 5 Sterne

Gastrezensent
~MR

Jugendbuch-Informationen:

Titel: Frühaussteiger
Autor: Eric D. Schulz
ISBN: 978-3-9814022-3-0
Umfang: 154 Seiten
Verlag: Delfy International Publishing Berlin

Image Credits: Frühaussteiger von Erik D. Schulz – Cover mit freundlicher Genehmigung Delfy International Publishing

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