Über Leseleidenschaft

Leseleidenschaft ist mehr als nur ein Hobby

Leseleidenschaft ist sowohl die unendliche Begeisterung zur geschriebenen als auch zur gesprochenen Literatur. 
Leseleidenschaft ist aber ebenso der Grund, weshalb Buecherloewe ~BL und I_love_books  ~Ilb einst Freunde wurden und beschlossen, von nun an gemeinsam über die Welt der (Hör-)Bücher, eBooks und der digitalen Medien zu bloggen.

Team Leseleidenschaft

Die Leseleidenschaft-Mädels
~Ilb & ~BL

Rezensionsanfragen

Liebe Autoren & Verlage,

wir sind immer auf der Suche nach interessanter Literatur - auch gern abseits des Mainstreams - und würden uns sehr freuen, Ihr (Hör-) Buch / eBook rezensieren zu dürfen.

Bitte nehmen Sie Kontakt zu uns auf.

Seiten

Rezension „Die Hexentochter“ von Hans-Peter Lorang

Verlagsinfo, Klappentext

„Im Jahre 1552 wird in Trier der Kunstmaler Philipp Böttcher vor den Augen seiner Tochter Barbel vom kurfürstlichen Baumeister Lutzen erstochen. Barbel gelobt ihrem sterbenden Vater, sich für den Mord und die erpresserische Beziehung des Mörders zu ihrer Mutter Alesia zu rächen. Mutter und Tochter finden mit Hilfe des Benediktinermönches Balduin als Mägde auf einem Gehöft eine Bleibe. Bald geraten die attraktiven Frauen aus Trier in das Gerede des Gesindes. Jeder Anlass wird genutzt, um Alesia Schlechtigkeiten anzuhängen. Schließlich gelingt es den intriganten Zeitgenossen, die Mutter der Hexerei zu verdächtigen und anzuklagen. Nach einem grausamen Hexenprozess auf der Grimburg, wird Alesia gehängt und dann auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Barbel flüchtet in das Kloster Wüstenbrühl. Hier findet sie Aufnahme durch Prior Balduin, der zwischenzeitlich die Leitung des Klosters übernommen hat. Balduins platonische Liebe zu Barbel wird erneut entfacht. Unter den Laienmönchen im Kloster sorgt die Anwesenheit der jungen Frau für Unruhe. Während einer Reise des Priors nach Mainz wird Barbel sexuell missbraucht. Nach seiner Rückkehr erfährt er durch Barbels Beichte von der ihr widerfahrenen Schändung. Der Versuch, den ruchlosen Mönch zur Rechenschaft zu ziehen, endet mit Prior Balduins Ermordung. Barbel gelingt die Flucht aus Kloster Wüstenbrühl. Auf dem Weg zurück nach Trier trifft sie den Wanderhändler Zacharias, der sie mit schändlicher Absicht geschickt betört und an einen Frauenwirt verkuppelt. Noch bevor Barbel als Hure zu arbeiten beginnt, wird sie von dem Trierer Badehausbesitzer Jan Marthes freigekauft. Während sie als Hübschlerin für Jan arbeitet, empfindet sie für ihn große Zuneigung. Bedrückt durch ihr Gelöbnis, versagt sie sich jedoch seiner Begierde. Schließlich erkennt und nutzt Barbel die lang ersehnte Gelegenheit, sich an Lutzen für die erpresserische Beziehung zu ihrer Mutter und den Mord an ihrem Vater zu rächen.“

ISBN: 9783981505474

 

Die_Hexentochter_von_Wuestenbruehl

 

 

Ich habe es bereits mehrfach erwähnt, ich bin ja eigentlich die Krimitante schlechthin, aber hier und da ein Ausflug in das historische Genre muss einfach sein 😉

Dann bin ich über diesen Titel gestolpert. Das Titelbild hat mich gleich in seinen Bann gezogen. Selten spricht mich ein Cover dermassen an. Als ich dann den Klappentext gelesen habe wollte ich gerne mehr…Beim ersten durchblättern habe ich gesehen, das ich auch im Buch selber einige Zeichnungen befinden. Immer zum Beginn eines neuen Kapitels finden wir eine zum Inhalt passende Zeichnung. Ich muss sagen, das mir das wirklich gut gefallen hat.

Kommen wir nun zum Inhalt. Naja, wer den Klappentext gelesen hat wird von der eigentlichen Geschichte nicht wirklich überrascht. Alles startet mit einem Prolog, der den Klappentext zu großen Teilen spiegelt, ich finde dies jetzt aber nicht dramatisch. Wer bereits den einen oder anderen historischen Roman über das Hexenwesen gelesen hat wird merken, dass sich alle ein wenig gleichen, das ist aber auch gar nicht anders möglich. Immerhin beziehen sich die meisten Autoren auf historisch belegte Daten und die sind nun mal so wie sie sind 😉

Ich finde hier liegt die hohe Kunst des Autors mir genau diese Frau und ihr Schicksal eingehend zu beschreiben damit es mir gelingt in ihr Leben und ihre Gefühle einzutauchen. Klar ähneln sich hier die Handlungen, aber das weiss ich im Vorfeld. Ich habe mich in der Geschichte von Hans-Peter Lorang gut aufgehoben gefühlt. Für mich hat er einen flüssigen Schreibstil, in den er hier und da das eine oder andere „alte“ Wort einbringt. Er übertreibt es nicht, sondern streut diese Worte in meinen Augen ganz gezielt, dadurch wird der Lesefluss nicht unterbrochen.

Ich für mich habe das Gefühl, dass der Autor sehr gut recherchiert hat.

In meinen Augen ist dies ein sehr unterhaltendes Buch. Auch wenn es vielleicht keine grundsätzlich neue Geschichte ist, so kann dieses Buch doch mit vielen anderen namhaften historischen Romanen mithalten.

Bewertung: 4 Sterne

~BL

 

 

Rezension „Klios Archive: Historische Kurzgeschichten“ von Astrid Rußmann

Verlagsinfo, Klappentext

„Haben Sie Lust auf einen Trip durch die Weltgeschichte? Wollen Sie gerne dabeisein, wenn Claudius auf seltsame Weise römischer Kaiser wird, wenn der erste Raucher nach Europa kommt und drei Pariserinnen in den Zeiten der Französischen Revolution ihrem außergewöhnlichen Hobby frönen? Dann lesen Sie dieses Buch. Klios Archive – das sind 14 fiktive Miniaturen über weltgeschichtliche Ereignisse von Format, mit denen uns die Autorin einlädt auf eine Zeitreise vom alten Orient in die Moderne. Wenn Sie mehr wollen als immer nur Mittelalter, dann lassen Sie sich ein auf ein Spiel mit den Jahrhunderten …“

KlioCover

Geschichtliche Themen kommen in vielen Büchern schon mal sehr trocken und unpersönlich daher. Hier dürfen wir 14 unterschiedliche Geschichten aus dem historischen Bereich entdecken, die so gar nicht langweilig und „schulbuchähnlich“ daher kommen. Dank der Autorin Astrid Rußman können wir mit diesem Buch einen ganz anderen Einblick in die Geschichte nehmen.

Auch wenn mich das Titelbild jetzt vielleicht nicht gleich im ersten Augenblick aus den „Socken“ gehauen hat, so deutet es doch bereits ein wenig auf den Inhalt hin.

Das Buch beinhaltet 14 verschiedene Geschichten die sich mit unterschiedlichen Zeiten beschäftigen. Man kann so wie ich immer wieder eine kleine Geschichte geniessen um dann am nächsten Tag neu einzusteigen. (Für mich war das die richtige Art, da ich mich erst mit dem sprachlichen Stil anfreunden musste, der aber sehr gut zum Buch passt!!! ) Es ist aber natürlich auch wunderbar am Stück zu geniessen.

Die Autorin nimmt uns mit auf eine Reise durch die Zeit und durch verschiedenen Länder. Ganz besonders finde ich, dass hier nicht nur über die großen Helden der Geschichte berichtet wird, sondern das auch der „kleine“ Mann hier zu Wort kommt. Auch wenn man vielleicht nicht ganz sicher sein kann, ob sich alles wirklich zu zugetragen haben könnte, so scheint doch jede Geschichte für sich sehr authentisch und ich empfinde alles als sehr „real“.

Es gelingt der Autorin die Szenen sehr lebendig zu schildern, schnell ist man immer wieder in der jeweiligen Epoche angekommen. Egal ob wahrhafte historische Persönlichkeit oder ein ausgedachter Charakter, alle Protagonisten sind schön und treffend ausgearbeitet.

Es gibt einen Anhang in dem verschiedene Begriffe dann noch erläutert werden. So etwas finde ich immer sehr wichtig.

Wirklich ein sehr schönes Buch, welches auch ein klein wenig einen „Lerneffekt“ beinhaltet. Locker und flüssig lassen sich die 264 Seiten lesen.

Ich denke nicht nur Histofans kommen hier auf ihre Kosten.

Bewertung: 4 Sterne

~BL

 

Rezension „Zersetzt“ von Michael Tsokos und

Verlagsinfo, Klappentext

„True-Crime-Thriller

BKA-Rechtsmediziner Dr. Fred Abel arbeitet unter Hochdruck an einem großen Fall: Ein winziger Einstich in der Kniekehle eines Toten verrät ihm, dass einer der gefährlichsten Killer der letzten Zeit weiterhin sein Unwesen treibt. Doch bevor Abel ihn stoppen kann, wird er in heikler Mission in den osteuropäischen Pseudostaat Transnistrien geschickt. Dort soll er zwei Mordopfer identifizieren, die in Kalkfässern gelagert wurden und fast vollständig zersetzt sind. Plötzlich steht Abel im Fadenkreuz eines politischen Komplotts. Während einer mörderischen Verfolgungsjagd durch das transnistrische Grenzland muss er seine ganz besonderen Fähigkeiten einsetzen. Und gleichzeitig kämpft in Deutschland das jüngste Opfer des Psychopathen in einem Keller um sein Leben …“

Seiten: 432

ISBN:  978-3-426-51877-9

Droemer Knaur

Zersetzt von Michael Tsokos und Andreas Gößling, Cover mit freundlicher Genehmigung von Droemer Knauer

Zersetzt von Michael Tsokos und Andreas Gößling, Cover mit freundlicher Genehmigung von Droemer Knauer

 

 

Dies ist bereits der zweite Fall, in dem der Rechtsmediziner Fred Abel  seinen Job machen darf. Man muss aber „Zerschunden“ nicht gelesen haben um mit „Zersetzt“ klar zu kommen. Die Protagonisten werden auch hier ausreichend beschrieben. Beide Teile sind in sich abgeschlossen.

Auch in diesem Teil geht es wieder sehr direkt und blutig einher, daher ist auch dieses Buch ganz sicher nichts für „Warmduscher“ !

Man merkt auch diesmal das Michael Tsokos schon weiss von was er schreibt. Als Rechtsmediziner erlebt er bestimmt sehr viel und nichts ist erschreckender als die Realität.

Der Schreibstil ist flüssig und man ist als Leser bereits mit den ersten Seiten mitten drin. Die Kapitel sind eher kurz und daher möchte man doch immer noch schnell ein weiteres lesen 😉 Mir hat hierbei besonders gut gefallen, das die Kapitel aus unterschiedlichen Perspektiven geschrieben sind. Auch wenn dies nicht immer einfach ist, kann man doch gut umschalten und die jeweilige Sicht der Personen auf sich wirken lassen. Aber wie gesagt, es geht hier wirklich blutig und heftig her. Ich habe bei der einen oder anderen Szene echt eine Pause machen müssen, obwohl ich sonst eher zu der „harten“ Fraktion gehöre…

Eigentlich besteht der Thriller aus drei einzelnen Geschichten, die aber doch miteinander verwoben sind.

Abel wird in den  osteuropäischen Pseudostaat Transnistrien geschickt. Dort soll er zwei männlicher Leichen identifizieren…Leider steht Abel dann sehr schnell mitten in einem politischen Komplott. Mir war es dann zeitweise ein wenig zu viel, wie Abel da versucht seine Haut zu retten. Aber gut, ein Thriller darf, muss und soll für mich auch nicht wirklich nur authentisch daher kommen 😉

Aber auch in Deutschland geht das morden in Abel Abwesenheit weiter. Waterboarding, eine Foltermethode die grausamer nicht sein könnte.

Der dritte Handlungsstrang beschäftigt sich mit einer jungen Frau, die in einem Keller um ihr Leben kämpft. Besonders diese Kapitel sind mehr als eindringlich.

Rasant, grausam und blutig sind für mich die Stichworte zu diesem Buch.

Ich bin schon sehr gespannt auf den dritten Teil, der eventuell schon Anfang 2017 erscheinen wird.

Stern_Bewertung_4-5

~BL

Hörbuchrezension „Bin ich denn der Einzigste, wo hier Deutsch kann?“ von Andreas Hock

Verlagsinfo, Klappentext

„Es war einmal eine Sprache , die vor lauter Poesie und Wohlklang die Menschen zu Tränen rührte. Die von Dichtern und Denkern immer weiter perfektioniert wurde. Die um ein Haar auf der ganzen Welt gesprochen worden wäre. Das aber ist lange her – und ein für alle Mal vorbei.

Heute ist Deutsch ein linguistisches Auslaufmodell! Wie konnte es nur so weit kommen, dass unsere Kids zwar wissen, wer der Babo ist – aber keine Ahnung haben, wer dieser Goethe war? Warum wundern wir uns nicht, wenn uns die Werbung von Care Companys, Createurs d’Automobiles oder Sense and Simplicity erzählt? Und wieso, verdammt noch mal, nennen wir unsere Kinder Justin, Cheyenne oder Jeremy?

Andreas Hock fand Antworten auf diese und viele anderen Fragen über den Niedergang unserer Sprache – der eigentlich vor Hunderten von Jahren schon begann und an dem nicht nur Friedrich der Große, Adolf Hitler oder Helmut Kohl Schuld sind. Sondern voll wir alle, ey!“

ISBN 978-3-86883-690-5
riva
Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann? von Andreas Hock, Cover mit freundlicher Genehmigung von riva

Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann? von Andreas Hock, Cover mit freundlicher Genehmigung von riva

Deutschunterricht in der Schule…ich denke mit Grauen daran zurück. Es steht und fällt besonders in diesem Fach viel mit dem Lehrer.
Die Deutsche Sprache, man sagt gerne sie sei schwierig, das mag auch zu einem gewissen Teil stimmen.
Für mich ist es meine Muttersprache und doch bin ich mir sicher, das ich nicht alle ihre Raffinessen beherrsche 😉 aber ich bemühe mich um die korrekte Anwendung.
Dieses Hörbuch hat mich wirklich beeindruckt.
Wer hier den trockenen Stoff der einstigen Schulstunden erwartet, der täuscht sich ungemein. Hier wird mit viel Wortwitz und einem Augenzwinkern alles was zur deutschen Sprache gehört aufgearbeitet.
Der Autor Andreas Hock spannt einen breiten Bogen und entführt uns in die jüngere Vergangenheit unserer Muttersprache. Die Kapitel sind durchweg recht kurz und somit ist das Hörbuch kurzweilig und spannend. Das Grundthema ist immer das gleiche, aber er bringt uns in unterschiedlichen Abschnitten alle „Feinheiten“ der Sprache näher. Sei es das „Beamtendeutsch“ oder gar die Geschichten der Gebrüder Grimm und deren Herkunft. Alles wird hier eingehend beleuchtet. Auch der momentane Verfall der Sprache hat seinen Platz. Egal ob es sich um Texte der momentan angesagten Rapper oder sonstiger musikalischer Künstler handelt, oder um die glasklare Sprache unserer Politiker die viel reden aber eigentlich nichts sagen 😉
Mich hat dieses Hörbuch nicht nur wunderbar unterhalten, mir konnte der Autor auch die eine oder andere Besonderheit meiner Sprache wieder näher bringen und dafür möchte ich ihm danken.
Bewertung: 5 Sterne
~BL

Hörbuchrezension „Punchdrunk“ von Sven Heuchert

Verlagsinfo, Klappentext

„Der namenlose (Anti-) Held dieser Story, ein ehemaliges gescheitertes Boxtalent, kommt nach einem längeren Auslandsaufenthalt in seine rheinische Heimat zurück. Alkoholkrank und völlig desilliusioniert verfällt er sogleich wieder in eine alte Gewohnheit: Er besäuft sich mit ehemaligen Weggefährten in seiner Stammkneipe. Man erfährt, dass sein Vater wegen Todschlags an dessen Lebensgefährtin im Gefängnis sitzt und seine Mutter nach diesem Verbrechen nichts mehr mit ihrem Sohn zu tun haben wollte. Schonungslos offen und sehr direkt werden verschiedene Episoden aus seinem Leben erzählt. Und alle haben sie etwas gemeinsam: Wut und Sehnsucht.“

Speildauer: ca 93 Minuten

Sprecher: Helmut Krauss

Wortpersonal

Punchdrunk von Sven Heuchert, Cover mit freundlicher Genehmigung von Wortpersonal

Punchdrunk von Sven Heuchert, Cover mit freundlicher Genehmigung von Wortpersonal

Helmut Krauss ist einer meiner Lieblingssprecher, das muss ich gleich mal zu Anfang ausposaunen 😉

Mit ca 93 Minuten ist das Hörbuch eigentlich recht kurz, aber Sven Heuchert hat doch so einiges in seine Geschichte hineingepackt.

Der Klappentext verrät uns ja bereits, das wir es hier mit einer „gescheiterten“ Existenz zu tun haben. Ich möchte auch gar nicht mehr so tief in das Geschehen eingehen, da ich dem Hörer nicht alles Vorweg nehmen möchte.

Die Sprache ist rau und direkt. Wenn man sich als Hörer einhört, sich auf die Geschichte einlässt, erfährt man viel über das Leben des (Anti-) Helden. Kurz und knapp bringt es der Autor auf den Punkt. Das ist in meinen Augen auch eine hohe Schule des Schreibens. Sven Heuchert gelingt es in kurzer Zeit viel Emotion rüber zu bringen. Alles scheint sehr authentisch, wirkt echt und unverfälscht.

Ich selber muss allerdings sagen dass ich dieses Hörbuch wahrscheinlich kein zweites mal anhören werde. Es war für mich auf der einen Seite durchaus sehr hörenswert, was natürlich auch zu große Teilen dem Sprecher „anzulasten“ ist, aber grundsätzlich bin ich kein großer Freund von Romanen dieser Art. Für mich hatte die Geschichte so etwas von den Büchern des großen Autoren Michel Houellebecq und ich könnte mir gut vorstellen, das Freunde dieses Autores hier mehr als begeistert sein dürften.

 

~BL

Rezension „SchattenSucht“ von Nané Lénard

Verlagsinfo, Klappentext

„Trieb die Sehnsucht nach Ruhe und Vergessen zwei Menschen in den Tod? Die mysteriösen Umstände ihrer Selbstmorde lassen die Kommissare Hetzer und Kruse zweifeln. Parallel entdeckt der LKA Beamte Thorsten Büthe in Hannover ein unbekanntes Foto in einer bereits geschlossenen Akte, deren Inhalt er nicht vergessen kann.

Was keiner der Kommissare ahnt, geschieht im Schatten der Hoffnungslosigkeit. Schwerkranke und lebensmüde Menschen suchen im Netz nach Hilfe beim Umsetzen ihrer Tat. Wer die Unterstützung einer Sterbehilfeorganisation nicht in Anspruch nehmen kann, tauscht sich in Selbstmordforen aus. Eine willkommene Spielwiese für jemanden, der seine Mordlust ausleben möchte, bis er sich in einem der Opfer gründlich irrt.“

Seiten: 336

ISBN: 978-3-8271-9435-0

CW Niemeyer

SchattenSucht von Nané Lénard, Cover mit freundlicher Genehmigung von CW Niemeyer

SchattenSucht von Nané Lénard, Cover mit freundlicher Genehmigung von CW Niemeyer

 

SchattenSucht ist bereits der siebte Band aus der „Hetzer Reihe“  Ich denke man könnte durchaus mit diesem Teil einsteigen, da die Autorin jeden Teil in sich abgeschlossen ausgearbeitet hat, aber ich persönlich würde hier ein chronologisches Lesen empfehlen. Wie bei allen Serien entwickeln sich die Figuren hier in jedem Teil ein wenig weiter und es macht einfach Spaß die Entwicklungen zu verfolgen.

Hier die Reihenfolge:

SchattenHaut, SchattenWolf, Schattengift, SchattenTod, SchattenGrab, SchattenSchwur, SchattenSucht

Ich verfolge die Serie um Kommissar Hetzer und sein Team schon seit dem ersten Band. Ich finde die Figuren haben eine tolle Entwicklung durchlaufen. Mit jedem Band wurden mir die verschiedenen Protagonisten immer lieber und einige haben sich schon ganz tief in mein Leserherz geschlichen. Dazu gehört im besonderen die Lady Gaga 🙂

Nané Lénard gelingt es immer wieder nicht nur einen spannenden Mordfall in ihren Büchern zu beschreiben, sie bindet auch oft ein Thema als „Ummalung“ ein, welches den Leser zum nachdenken anregt. Sie rüttelt auf mit den gewählten Rahmenhandlungen. In diesem Band geht es zum Beispiel um Menschen die sich den Tod wünschen, die Selbstmord begehen wollen.  Oft suchen schwerkranke Menschen im Internet nach anderen Menschen die ihnen in diesem Moment helfen und ihnen den Weg bereiten. Niemand möchte unter Schmerzen von der Welt gehen und dies machen sich zum Teil auch nicht so gute und ehrliche Organisationen zu Nutze.

Wie immer ist der Schreibstil gängig und flüssig, der Fall wird zügig aufgerollt und vorangetrieben, es gelingt der Autorin ihre Leser immer wieder neu zu fesseln. Die Spannung ist spürbar, wenn auch nicht dominant.

Hier in dieser Geschichte verschwimmen Begriffe wie Ethik und Moral immer wieder und der Leser wird so ganz automatisch angeregt sich seine eigenen Gedanken zu machen. Sterbehilfe und Suizid sind wahrlich Themen die einem ans Herz gehen.

Ich mag an den Krimis von der Autorin besonders die relativ schnellen Wechsel, die mit kurzen Kapiteln einhergehen. Ich lese immer gerne bis ich ein Kapitel beendet habe, so mitten drin aufhören ist nicht so meins, hier kann man gut von einem zum anderen Kapitel lesen. Wobei….naja so ganz stimmt das nicht 😉 da man um die kurzen Kapitel weiss, ist man oft geneigt zu denken , “ och komm…eins geht noch, bevor du auf den Weg zur Arbeit musst…und dann ach nee, das ist jetzt spannend, da geht doch noch schnell was…“ und Ruckzuck ist man zu spät im Job 😉

Bewertung: 5 Sterne

~BL

Rezension „Aufziehmädchen Emma“ von Stefan Steinmetz

Verlagsinfo, Klappentext

„Der Roman spielt in alternativen Welt, in der es nur Dampfmaschinen und komplizierte Federwerke gibt. Wir schreiben das Jahr 1910. Im Königreich Bayern wird Christian von Reichshofen, Kapitän des Dampfluftschiffs Abendstern, von Professor Heisenberg für eine Expedition ins unbekannte America angeheuert. Nach der verunglückten Expedition von Amerigo Vespucci im fünfzehnten Jahrhundert hat es weitere Forschungsfahrten nach Westen gegeben. Alle Schiffe gingen verloren. Irgendetwas scheint im Westen inmitten des Ozeans zu lauern und alle Schiffe zu vernichten.

Nun will Professor Heisenberg den Weg mit einem Luftschiff wagen. Er hat einen untrüglichen Beweis dafür, dass das geheime Land im Westen tatsächlich existiert. Nicht nur die Erzählungen der alten Ägypter sind ihm bestens bekannt, die von diesem sagenhaften Land und seinen Silberschätzen berichten, sondern er ist im Besitz einer Luftpost, abgeschickt vor über vierhundert Jahren mit einem kleinen Gasballon, der es bis nach Europa schaffte. Einer der spanischen Kapitäne, die Amerigo Vespucci auf seiner Americafahrt begleiteten, berichtet in dem mitgeschickten Notizbüchlein von einem reichen Land voller Silberschätze und seltsamer Lebensformen wie menschenfressenden Riesenvögeln und Riesenechsen.

Weil Silber das wertvollste Metall im Königreich Bayern ist, viel wertvoller als Gold, will Professor Heisenberg das legendäre Land im Western aufsuchen. Mit von der Partie sind sein undurchsichtiger Diener Albert und seine neunzehnjährige Tochter Emma. Emma trägt nach einem Unfall etliche mechanische Bauteile in sich. Eins ihrer Beine und eines ihrer Augen sind mechanisch und sie hat eine mechanische Lunge und ein Aufziehwerk anstelle eines Herzens. Sie ist von ihrem Aufziehschlüssel abhängig und dies benutzt ihr Vater, um sie unter seiner Knute zu halten und grausam zu unterdrücken. Heisenberg stellt es so geschickt an, dass niemand etwas bemerkt. Sein ergebener Diener Albert ist sein Komplize dabei.

Während der Überfahrt gewinnt die stille Emma schnell die Herzen der Mannschaft der Abendstern, während sich ihr Vater zusehends unbeliebt macht. Heisenberg hat eine arrogante Art, die die Leute abstößt. Auch sein Diener Albert ist den Leuten nicht geheuer. Er scheint ständig hinter Emma herzuschleichen. Emma verliebt sich in Christian von Reichshofen, den Kapitän.

Was niemand so recht versteht: sie scheint große Angst vor ihrem Vater und dessen undurchsichtigem Diener Albert zu haben.

Im Ozean vor der americanischen Küste stößt die Expedition auf den Grund, warum nie ein Schiff zurückkehrte: Entlang eines kontinentalen Grabenbruchs haben sich tausende kleiner und kleinster Eilande aus dem Wasser geschoben und dazwischen lauern gefährliche Unterwasserfelsen und -riffe auf unvorsichtige Seefahrer. Wer einmal in das undurchdringliche Inselgewirr geriet, der fand nicht mehr heraus. Die kleinen Inseln geben einen Vorgeschmack auf America. Es gibt saurierähnliche Riesenleguane und die Forscher finden einen Baum, dessen Samenkapseln von wasserstoffgefüllten Blasen weit fort getragen werden. Mit einer solchen Gasblase kam die Luftpost nach Europa, die sich in Professor Heisenbergs Besitz befindet.

In America finden sich Überreste der gescheiterten Expedition von Amerigo Vespucci und Überreste einer uralten Zivilisation. Das Luftschiff folgt den Anweisungen in Heisenbergs Notizheft und gelangt zu den Großen Seen, wo sich eine Indiozivilisation entwickelt hat. Die Indios wanderten vor vielen Jahrhunderten aus dem Süden ein, nachdem im Norden Americas eine schreckliche Seuche alle Säugetiere – auch die Menschen – auslöschte. Da es keine Säugetiere gab, haben mehrere Arten Dinosaurier überlebt und es gibt große Laufvögel. Die Pflanzenfresservögel leben in großen Herden, doch es gibt auch Jäger wie die Fleisch fressende Diatryma.

Alles könnte bestens sein und man plant bereits eine Expedition ins ferne Pyramidenland der Ägypter, die in America eine riesige Kolonie errichtet hatten, aber Professor Heisenberg tut seiner Tochter etwas Schreckliches an und dann wird das Luftschiff von wilden Kriegern überfallen und alle Expeditionsteilnemer gefangengenommen. Werden die Luftschiffer es schaffen, sich zu befreien und den legendären Silberschatz zu finden?“

Seiten: 458

ISBN: 9781518717079

Aufziehmädchen Emma

Stefan Steinmetz hat mich mit seiner Emma mehr als verzaubert !!!

Ich bin bisher nicht der große Steampunk Leser gewesen, ich glaube das dieser Titel erst das zweite Buch aus dem Genre für mich war. Aber ich muss sagen, dass es schon eine ganz besondere und faszinierende Welt ist.

Der sehr ausführliche Klappentext von Stefan Steinmetz zeigt eigentlich schon einen sehr guten Einblick in die Geschichte, daher möchte ich gar nicht so sehr viel mehr über den Inhalt in meiner Rezension erzählen. Aber ich kann allen Lesern versprechen, das eine wunderbare Geschichte auf sie wartet. In diesem Buch kann man wirklich versinken. Ich habe es in einer schwierigen Zeit in meinem Leben gelesen und es ist mir mit diesem Buch wirklich gelungen aus der Realität zu entfliehen.

Wie man vielleicht schon am großzügigen und ausführlichen Klappentext des Autors merkt, geht er mit seinem Werk sehr in Details. Mir hat das hier sehr gut gefallen, denn es passt einfach.Wir dürfen eine tolle Abenteuer Geschichte erleben, bei der wir nicht nur viele technische Errungenschaften kennen lernen dürfen sondern auch ganz interessante neue Länder bereisen. Auch hier legt der Autor sehr viel Wert auf die Einzelheiten. Das Land und seine Pflanzen werden gekonnt dargestellt. Alles aber immer genau im richtigen Maß, zumindest für mein Lesegefühl. Ich kann definitiv nicht behaupten mich mit irgendein Formulierung oder Beschreibung gelangweilt zu haben. Leider gibt es ja diese Bücher (die gibt es ganz sicher in allen Genres 😉 ) bei denen man denen man denkt nun ist es aber genug… Aber wie gesagt, hier ist die Ausführlichkeit genau mein Ding. Alle Figuren werden mehr als gründlich beschrieben und der Leser merkt sehr schnell wo der Hase lang läuft. Hier ist wahrlich nicht alles Gold was glänzt. Ich glaube man hat als Leser recht schnell seine Lieblinge gefunden. Mir ging es jedenfalls so. Ich habe mit Emma gehofft, gelitten und gekämpft und hatte mehr als einmal Herzschmerz. Aber nicht nur die erklärten Hauptfiguren sind gelungen, auch viele Randfiguren entwickeln ein tolles Eigenleben und fügen sich stimmig in das große ganze Abenteuer ein.

Ich kann jetzt leider nicht aus Sicht eines Steampunk  Kenners sagen, das dieser Roman unbedingt auf die Leseliste gehört, dazu kenne ich mich in dem Genre nicht gut genug aus. ABER ICH KANN ALS BÜCHERLIEBHABER EINE ABSOLUTE LESEEMPFEHLUNG AUSSPRECHEN ! Dieses Buch hat einfach so viel mehr! Es ist ein Abenteuer Roman, es ist ein Krimi, es ist eine Liebesgeschichte und und und.

Ganz ehrlich, ich möchte auch mal eine Runde mit der Abendstern drehen 😉

Zum Schluss möchte ich unbedingt noch die hervorragende Qualität des Buches an sich erwähnen. Das Taschenbuch hat ja eine große Seitenzahl und auch nach dem Lesen ist die Verleimung und der Buchrücken in einem tadellosen Zustand. Das hat man heute leider bei einigen großen Verlagen nicht mehr so. Ich finde es gibt nichts ärgerlicheres, als wenn einem nach einmaligem Lesen nur noch eine lose Blattsammlung übrig bleibt. Da muss der Bücherfreund hier gar keine Angst haben! Mein Exemplar ist tadellos und ich freue mich sehr darüber. Ein großes Kompliment auch hierfür.

Bewertung: 5 Sterne

~BL

Rezension „Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod“ von Elisabeth Florin

Verlagsinfo, Klappentext

„In einem kleinen Bergdorf bei Meran werden die Überreste eines seit Jahrzehnten vermissten Kindes entdeckt. Der Fund führt Commissario Pavarotti zurück zu den Anfängen seiner Karriere, als das Verschwinden des Jungen für dessen ganze Familie in einer Katastrophe endete. Er muss sich einer alten Schuld stellen – und der unglücklichen Liebe zu Lissie von Spiegel, von der ihn eine große Lüge trennt. Der Commissario gerät in einen düsteren Strudel aus Verzweifl ung und Ohnmacht …“

Seiten: 368

ISBN: 978-3-95451-808-1

Emons

Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod von Elisabeth Florin, Cover mit freundlicher Genehmigung von Emons

Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod von Elisabeth Florin, Cover mit freundlicher Genehmigung von Emons

 

Ich bin seit dem ersten Band mit an Bord 😉

Und was soll ich euch sagen, ich finde die Autorin hat sich von Band zu Band erneut gesteigert, obwohl mir bereits der erste Teil sehr gut gefallen hat und ich es nicht für möglich hielt, dass man hier noch mehr herausholen kann. Aber Elisabeth Florin hat es geschafft mich jedes mal wieder von neuem zu überraschen.

Der erste Band hat den Titel  „Commissario Pavarotti trifft keinen Ton“ , der zweite Band heisst „Commissario Pavarotti küsst im Schlaf“ Ihr findet alle Titel auf der Leseleidenschaft  rezensiert. Und wer mehr über die Autorin erfahren möchte ist herzlich eingeladen unter dem ReiterW.W.W. „Wir Wollens Wissen“ das ausführliche Interview mit Elisabeth Florin zu studieren 😉

Ich möchte in diesem Fall eindringlich dafür plädieren diese Serie bei Band eins zu starten. Auch wenn es sich immer um abgeschlossene Fälle handelt, so ist es doch gerade hier bei diesem doch sehr aussergewöhnlichen Ermittler sehr wichtig alles vom Anfang zu verfolgen. Da es sich beim Commissario um einen sehr speziellen Menschen handelt und auch sein Umfeld nicht einfach mal so krimitypisch daher kommt sollte man definitiv alles mitbekommen!!!

Aber nun möchte ich doch ein wenig mehr auf den dritten Fall für unseren Commissario Pavarotti eingehen. Wie bei den zwei Vorgängerteilen hat die Autorin auch hier ihren schönen und flüssigen Schreibstil beibehalten. Nachdem der zweite Band ja sehr tragisch verlaufen ist kommt nun die Weiterführung. Nein keine Angst alle Titel sind immer in sich geschlossen und doch passierte in „Commissario Pavarotti küsst im Schlaf“ etwas sehr entscheidendes. Und genau hier setzt Elisabeth Florin wieder an. So fühlt man sich gleich auf den ersten Seiten wieder heimisch. Es ist wie ein Treffen von alten und lieb gewonnenen Freunden.

Diesmal werden in einem kleinen Bergdorf bei Meran bei Bauarbeiten die Überreste eines Kinderskelettes entdeckt. Schnell wird klar das es sich um das seit  Jahrzehnten vermisste Kind aus dem Dorf handelt. Bereits damals hatte Pavarotti etwas mit dem Fall zu tun, allerdings noch nicht als Commissario. Nun muss er sich erneut in die Ermittlungen stürzen. Ausserdem wäre es bald an der Zeit, dass er ein klärendes Gespräch mit Lissie von Spiegel führt. Aber er kann sich einfach nicht überwinden.

Die verschiedenen Bewohner des Dorfes sind wirklich gut und anschaulich beschrieben. Man erkennt die ganzen kleinen und großen „Schrullen“ und man kann sich das Dorfleben dort sehr gut vorstellen. Die verschiedenen Verflechtungen und Verknüpfungen der Personen untereinander sind gekonnt ausgearbeitet.

Auch diesmal gelingt es der Autorin ohne viel Blutvergiessen einen Spannungsbogen aufzubauen, der sich sehen lassen kann. Nach jedem Kapitel steigt das Verlangen mehr zu lesen. Ich habe mir mit diesem tollen Titel einen schönen Sonntag gemacht und möchte der Autorin hiermit noch mal herzlich danken für den aufregenden Tag 🙂

Für mich ist dieser Fall eindeutig der beste von den dreien und ich bin wirklich schon sehr gespannt ob es der Autorin gelingt mich auch beim nächsten mal so zu erwischen.

Bewertung: 5 Sterne

 

~BL

 

eBook-Rezension zu „Gefährliche Jagd“ von Maria Tomoons

Gefährliche Jagd von Maria Tomoons - Cover mit freundlicher Genehmigung von Midnight by Ullstein

Gefährliche Jagd von Maria Tomoons – Cover mit freundlicher Genehmigung von Midnight by Ullstein

»Vom Abenteuer mit Ferienlager-Atmosphäre zur Treibjagd mit ungewissen Ausgang!«

Maria hat das große Los gezogen. Sie darf bei diesem abenteuerlichen Experiment ein Teil des Ganzen sein. Es ist all inclusive – ein völlig kostenloser Spaß: Sie muss nur ihre Koffer packen, sich gemütlich in den Zug setzen und in der Jugendherberge ankommen. Dann kann das Spiel beginnen und den Siegern winkt ein lukrativer Geldpreis sowie die Hauptrolle in einem großen Film. Doch Maria freut sich in erster Linie auf das Abenteuer: Mit fremden Leuten ihren Alters in der Natur zu leben.

In der Jugendherberge angekommen, trifft Maria auf erste Mitspieler und ist erstmal ein wenig ratlos über das Anmeldeverfahren und das ganze Prozedere. Schon jetzt, da nun jeder registriert ist und mit einem farbigen Bändchen versehen wurde, wird es Maria etwas mulmig – denn noch weiß keiner, was auf sie die nächsten 14 Tage zukommt. Erst kurz vor Spielbeginn werden die Regeln klar: Alle Teilnehmer werden in Grüppchen aufgeteilt und diese wiederum in zwei Gegner –  die Jäger und die Gejagten. Maria’s Gejagten-Team besteht neben ihr aus Coco, Luis und Ben – eine Gruppe junger Leute, welche sehr sympathisch ist, wenn auch etwas eingeschüchtert herüberkommt. Weiterlesen

Rezension zu „Männer und andere Katastrophen“ von Kerstin Gier

Männer und andere Katastrophen von Kerstin Gier - Cover mit freundlicher Genehmigung von Bastei Lübbe

Männer und andere Katastrophen von Kerstin Gier – Cover mit freundlicher Genehmigung von Bastei Lübbe

Der Roman „Männer und andere Katastrophen“ lässt die Leserschaft an den Lebenswegen der 26-jährigen Germanistik-Studentin Judith teilhaben, die mithilfe ihrer sieben Jahre älteren Schwester Rebecca sich auf die Suche nach dem „echten“ Lebenspartner begibt. Erst recht nach der Trennung von Holger – jenem eigenwilligen Typen, dessen Studienzeiten einfach kein Ende nehmen wollten – nahm dieses beschwerliche Unterfangen seinen Anfang. Mit jenem heiß ersehnten Strahlemann sollte sie jene frei werdende Wohnung beziehen, in der die betagte Kiebig – im Bunde mit ihrem über alles geliebten „Brathund“ wahrlich nicht in helle Begeisterung versetzte. Rebeccas Idee, in Form einer Strichliste, die infrage kommenden Männer von den der Gilde der Taugenichts zu trennen, sollte sich jedoch nicht als besonders geeignet erweisen. Mit besonders skurrilen Verhaltensmustern war beispielsweise Oliver in Erscheinung getreten. Er gaukelte ihr vor, ein unübertrefflicher wilder Hengst zu sein, der schon zahllose Frauen, dank unbeschreiblicher ritterlicher Künste, euphorisch gestimmt hatte, doch seine plumpen Gebärden bewiesen das Gegenteil. Und auch dessen Wohnraum deutete absolut nicht auf eine ehemals gute Kinderstube hin. So fand sich die Sektflasche von Silvester selbst Monate danach noch im Gemüsefach des Kühlschrankes wieder.

Viele Nebenschauplätze, in der Judiths Freundeskreis verwickelt war, prägen des Weiteren das Gesamtbild des Romans nicht unwesentlich. Das Verhältnis zwischen Susanne und Bruno war geprägt von erheblichen Spannungen. Obwohl Bruno Susanne mit dem Wort „Dreckschlampe“ den Bogen überspannt hatte, versöhnten sich die beiden wieder. Besonders lachhaft empfand ich jene Begebenheit, als Judith ihrer Freundin Katja verhalf, dessen Lebensgefährten Jens aus der gemeinsamen Wohnung zu verscheuchen. Katja war außer sich vor Freude und schwärmte sogar von der glücklichsten halben Stunde in der Zeit ihrer sechsjährigen Beziehung!

Diesem Roman verpasste Frau Gier natürlich nicht umsonst den Titel „Männer und andere Katastrophen“! Letztere spiegelten sich auch in Judiths kurzzeitigen Bürojobs wider. Und auch manch‘ Vorurteil, was mit solch einer Stelle verknüpft ist. Da ist von einem Herrn Schimmel Kottenbrocke die Rede, in dem Judith – aufgrund seiner plumpen Gesten – nur noch den Herrn Schimmel Kotzbrocken sah. Und auch Herrn Römers neue Sekretärin, die gleich die Männer aus anderen Büros um sich scharrte, „verführten“ Herrn Kotzbrocken wahrlich nicht zum Kotzen, obwohl deren Blindschreibkünste lediglich in einem chaotischen Buchstaben-und Ziffernsalat ihren Ausdruck fanden. Ihr Name Marode Rodersberg entsprach voll dem Bild ihres Charakters und dem ihrer Fähigkeiten. Frau Mehlig „würdigte“ Judith’s Abschied mit einem Sektfrühstück und dem zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftig erscheinenden Trinkspruch: „Auf den Weggang von Frau Dings!“ Derartige Ansprechformen gehörten zur Normalität dieses Büros. Für den leider nicht dahinschimmelnden Herrn Kotzbrocken, galt Judith ohnehin „nur“ als die Frau Eh- eh!…

Auch das Zusammentreffen von Bille und Judith forderte mehrfach den Leser zum Schmunzeln heraus. Beide witzelten über die Inhalte ihrer Handtaschen und erdachten sich selbst ein Quiz aus, um anschließend die „Intelligenzquotienten“ gegenüber zustellen. Dies empfand ich total lustig, sodass sich mancher Leser in eigene pubertäre Zeiten zurückversetzt fühlte.

Judith sah in hundert Prozent der Männer, die ihr bisher begegnet waren nur Psychopathen. Dass nicht nur diese eine Spezie in Judiths Dunstkreis ihr Unwesen trieb, wurde erst dann klar, als das Ende der Handlung bereits abzusehen war. Zuvor jedoch hatte Bruder Mo einige von Judith’s Künsten, mit denen es ihr gelang, ihre Enttäuschungen wenigstens vorübergehend ein bisschen beiseite zu schieben, aus deren Werkstatt geschmuggelt. Judith staunte, als Mo sie plötzlich mit einem Haufen Geld überraschte. Mo war es tatsächlich gelungen, Kontakte zu einem Herrn Radebrecht, einem Mäzen der Kunstszene, zu knüpfen, und sicherte zu, als Manager sie mit all seinen Kräften zu unterstützen. Und als Schwester Rebecca, die selbst Modelle entwarf und Modenschauen initiierte, während einer rundum gelungenen Performance im Rahmen einer Hochzeitsfeier, den Gesprächsfaden zu einem Reporter der örtlichen Presse aufgenommen hatte, riet sie Judith, ihn doch mal anzusprechen. Ausgerechnet in jenem Moment als der Zeitungsmann Schripps seinen Magen anfütterte, gelang es Judith, ihn mit einer unorthodoxen Frage zu überraschen. Judith’s Herz pochte mindestens so laut wie beim Anblick ihres Lieblingsstars Kevin Kostner.

Mein Fazit

Manche Verhaltensweisen mögen dem einen oder anderen Leser zu überzogen erscheinen. Nach meinem Geschmack gestaltet sich aufgrund zu vieler Nebenschauplätze, auf denen sich zahllose Protagonisten tummelten, die Orientierung etwas schwierig, was beim Lesen eine gehörige Portion an Geduld erforderte. Frau Gier verstand es jedoch – dank teils sensationell auserwählter Worte, die manch‘ Leser vermutlich stets aufs Neue vom Hocker rissen, bei Stange zu halten. Ein Beispiel hierfür bildet die Wortwahl: „Weltstars beim Daumenlutschen“, was geschah, als Judith und Oliver einer angeblichen Weltklassedarbietung beiwohnten, die die Tänzerinnen auf diese abstruse Art einläuteten. Aber auch Burghardt’s tänzerischer Esprit, von dem er stets vollmundig schwärmte, der aber auf ein noch schlechteres Urteil traf, als der des vermeintlichen „Rudi Carell-Ballettes“, reizte meine Lachmuskeln.

Meiner Vermutung liegt nahe, dass die Autorin sehr wohl beabsichtigte, die Spannungen zahlloser Reizüberflutungen innerhalb unserer „turbokapitalistischen Gesellschaft“ anhand von vielen, lebendigen Beispielen uns warnend vor Augen zu führen, zumal diese allzu oft Fehlorientierungen geradezu heraufbeschwörten. Die sich schier endlos in die Länge ziehenden Studiengänge (Bsp. Holger), aber auch die in die dramatisch gestiegene Zahl an Lehr- und Studienabbrüchen lieferte nachhaltige Beweise in Bezug auf diese dramatisch ausufernden gesellschaftlichen Brüche. Und dass die Anzahl an jungen Männern, die kaum noch imstande sind, einen geordneten Haushalt in Eigenregie zu führen, sollte uns allen sehr zu denken geben. Diesbezüglich hat Frau Gier die edle Kunst mit Worten zu jonglieren nahezu perfekt zelebriert, wobei dies besonders zwischen den Seiten 100 und 110 etwas zu inflationär geschah. Nicht jedes Hirn ist nämlich imstande, manch‘ im Kopf sich aufgetürmte Wortgeflecht – weit entfernt von Konrad Dudens Schöpfungen – sogleich zu entschlüsseln. Diesbezüglich war auch mir die Konzentration zwischenzeitlich abhanden gekommen.

Dieser Roman zeigte aber auch deutlich auf, dass selbst bei den schrägsten Typen nicht Hopfen und Malz für immer verloren sein muss. Auch Judith’s Freundeskreis lieferte den nachhaltigen Beweis.

Gastrezensent
~MR

Informationen zum Titel

Verlag: Bastei Lübbe
Autor: Kerstin Gier
Format: Taschenbuch
Umfang: 286 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
ISBN: 978-3-404-17179-8

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